Synergetik-Einzelsitzung: Lungenkrebs

Vorgespräch:
Der Klient (ca. 45 Jahre) leidet seit Au-gust 1996 an starkem Reizhusten. Bei der Punktion der Lunge wurde dann Lun-genkrebs diagnostiziert, sowie bei weiteren Untersuchungen Metastasen in der Wirbelsäule.
In der Folgezeit wurde er im Oktober 97 mit 10 Bestrahlungen und anschließend mit 4 Chemotherapie behandelt. Nach dem Ab-setzen der Chemotherapie ging es dem Klienten sehr schlecht, es war auch keine nennenswerte Veränderung des Krebswachstums eingetreten. Er leidet nach wie vor unter Wasser in der Lunge, Reizhusten, Kurzatmigkeit und starken Knochenschmerzen. Er nimmt derzeit starke Schmerzmittel, die, wie er selbst sagt, seine Persönlichkeit sehr verändern.
Kl: Ich hab noch ein bisschen Kraft und mit der letzten Kraft, die ich noch habe, will ich versuchen, noch zu kämpfen. Vielleicht ge-schieht ja ein Wunder. Und deshalb bin ich hier. Wieso straft mich Gott so? Ich hab doch mein Leben lang allen nur geholfen ohne Gegenleistung. Seit Dezember bin ich jetzt arbeitslos und krank.Probesession:

Der Klient entscheidet sich für eine Türe auf der rechten Seite mit der Aufschrift „Privat“. In dem Raum ist es kalt, dunkel und feucht und es befindet sich ein Schatz darin, welcher von einer Spinne bewacht wird.
Kl: Ja, wo bin ich denn jetzt? Jemand hat mich hier im Dunkeln zurückgelassen. Was soll ich denn hier? Ist das ein Ge-fängnis? Jetzt will ich hier raus. ... Das ist schlimm, das ist schlimm. Ich will hier raus.
Th: Kennst du so einen Zustand auch mit deiner Krankheit - dich hat jemand mit deiner Krankheit zurückgelassen? - Klient bejaht - Ok., dann guck mal, wer kommt. Wer könnte dir weiterhelfen? - Es taucht ein Pfarrer auf, der den Klienten zu einer Wiese führt, wo die Sonne scheint und die Vögel singen. Der Pfarrer verschwindet und der Klient setzt sich auf eine Bank. Er entdeckt einen Bauern, der mit zwei Pferden und einem Wagen ein Feld bearbeitet. Er spricht ihn an:
Kl: Lieber Mann, können Sie mir helfen? Ich bin krank, ich suche nach Hilfe. Ich habe Krebs. Ja, ich soll da oben eine Wurzel suchen, sagt er, und ich soll die Wurzel essen. ... Ja, wo soll ich jetzt die Wurzel suchen? Welches ist die richtige? Ich kann sie nicht finden. - Es taucht ein Vogel auf, der den Klienten an die richtige Stelle führt. - Jetzt versuche ich mal da zu graben. Oh, ist das schwer zu graben. Da ist eine Wurzel. Die ist aber groß, die Wurzel. - Der Therapeut fordert zur direkten Kommunikation auf - Wurzel, du bist so groß, wie soll ich dich rauskriegen? Also, die Wurzel will hier bleiben. Jetzt kommt Wasser aus der Wurzel. Ach, soll ich das Wasser trinken? Ja, ich soll das Wasser trinken. Ah, das schmeckt ganz komisch, bitter. - der Therapeut fordert wieder zur direkten Kommunikation auf - Wasser, du schmeckst ja so bitter. Das Wasser will mir helfen. Das ist Medi-zin. ... Jetzt hört es auf. Kein Wasser kommt mehr. Und der Vogel ist weg. (erstaunt) Die Wurzel spricht mit mir. Leg dich in die Sonne, sagt sie, und ruh dich aus. - er tut es - Da ist es schön. Da sind die Bienen, die summen um die Blumen rum. Ich leg mich jetzt hin. Ich bin er-schöpft von dem vielen Graben und dem vielen Laufen. Jetzt muß ich mich ausruhen. Ach, das ist so ein schönes Gefühl. Es gribbelt im Bauch.
Th: Ja, das ist Lebensenergie, das ist das, was du brauchst.
Kl: Liebe Sonne, werde ich jetzt gesund hier? Ich hab die Wurzel gefunden, ich hab das Wasser getrunken, ich hab mich hier hingelegt. - Ja, das ist die Wärme, die tut mir gut. Liebe Sonne, was ist los, werde ich wieder gesund? Kannst du mir helfen? Die Sonne sagt ja, ich soll hier liegenbleiben. Sie gibt mir Kraft, sie gibt mir Energie.
Th: Dann bleib da liegen, so lange, wie du möchtest und laß die Zeit ruhig im Zeitraffer vorbeigehen. Vielleicht Stun-den, Tage oder Wochen. Stell dir einfach vor, du liegst so lange da, wie du es brauchst, wie es dir guttut. Und du nimmst diese ganze Energie ganz tief in dich auf. Der Lebenswillen und alles wird gestärkt. Und sag mir einfach bescheid, wenn sich irgendwas von selbst verändert. Und genieß es jetzt einfach ein paar Minuten, dazuliegen. Du hast ja eben von der Sonne gesagt gekriegt, daß du wieder gesund wirst. Spür mal einfach, wie sich das anfühlt. - Musik, lange Pause - Ja, wo bist du jetzt, hat sich was verändert?
Kl: Ja, die Sonne geht langsam weg. Der Bauer macht auch Schluß. - Der Klient geht als nächstes zurück in den ersten Raum und als deutliche Veränderung ist wahrzunehmen, daß jetzt Licht brennt. Der Klient verläßt den Raum wieder und entscheidet sich als nächstes für die Tür gegen-über. Sie trägt keine Aufschrift, aber man kann noch die Nägel sehen von dem Schild, welches früher an der Tür hing.
Kl: Da ist jemand ausgezogen. - er betritt den Raum - Ach, was ist denn das? Die ist ja lange nicht benutzt worden. Des-halb quietscht die so. Da fällt der Putz von den Wänden. Da ist schon lange nichts gemacht worden, hier. Da steht ein ganz altes Bett, vergammelt. Hier hat mal jemand gewohnt drin. Das Schild ist ja auch ab. Hier ist es kalt und riecht nach Rauch. Hier war irgendwann mal ein Feuer drin. Hier wurde mit Holz geheizt.
Th: Gut, dann soll derjenige mal auftauchen, der da drin gewohnt hat.
Kl: Da kommt ein ganz alter Mann. Hast du hier gewohnt? Ja. Wie geht es dir? Ja, es geht ihm jetzt besser. In diesem Raum ist er krankgeworden. Es war zu feucht. Er wohnt jetzt woanders. Ich soll aus dem Raum gehen, sonst werde ich krank, sagt er.
Th: Dann sag ihm mal sowas wie, du hattest auch Wasser in der Lunge.
Kl: Ich hatte Wasser in der Lunge. Hast du das auch gehabt? Ja. - Und was hast du gemacht? Er hat sich in die Sonne gelegt. Und ist das Was-ser dann weggegangen? Er nickt.
Th: Wäre es nicht sinnvoll, dieses Zim-mer mal zu renovieren? - Klient bejaht - Dann stell dir mal vor, du renovierst jetzt dieses Zimmer. Der alte Mann soll mal dableiben und zwar so lange, bis er sagt, es ist ok. - Der Klient lüftet als erstes, um den Rauchgeruch aus dem Zimmer zu entfernen. Dann nimmt er helle Farbe zum Streichen der Wände. Er möchte, daß der Reum freundlicher wird.
Kl: Ach, ist das viel Arbeit, das kann ich nicht alleine. - Er bittet den alten Mann um Hilfe, aber der ist zu schwach und will auch nicht mehr. Daraufhin macht der Therapeut den Vorschlag, ihn auch zu der Wurzel zu schicken, damit auch er sich stärken kann. - Der alte Mann geht jetzt weg. Hoffentlich findet er die Wurzel. Na ja, ich kann ja schon mal anfangen. - Der Klient besorgt sich Werkzeug - Ach, ist das ein Dreck. Oh ja, da muß ich ja husten. Was für ein Staub. Nee, das ist nicht schön. - Der Klient beginnt mit dem Renovier-en, aber der alte Mann kommt nicht zurück und so beschließt er, dem a-lten Mann zu folgen und ihm zu helfen, die Wurzel zu finden. Er trinkt zunächst selbst nochmal von der Wurzel. - Der alte Mann kommt nicht. Ich muß es alleine machen. Da brauch ich aber noch viel Energie. Die Wurzel sagt, es muß erst wieder Regen kommen. Erst wenn es geregnet hat, dann gibt es wieder Energie.
Th: Frag die Wurzel mal, wofür Regen in deinem Leben steht, weil das ist ja jetzt eine symbolische Ebene, auf der wir arbeiten. Was bedeutet Regen in deinem ganz realen Leben? Frag mal, ob Regen auch sowas ist wie Tränen.
Kl: Hallo Wurzel, der Regen, sind das auch Tränen? Ja, sagt sie. Die Wurzel sagt, ich soll keine Angst haben, ich soll ruhig auch mal weinen. Ich hab auch schon mal geweint. Und ich weiß, wenn man weint, fühlt man sich hinterher freier.
Th: Sag das mal in der Ich-Form.
Kl: Ja, wenn ich weine, dann fühle ich mich nachher freier. Ich höre es donnern. Jetzt fängt es an zu regnen. - Donner- und Regen-geräusche werden eingespielt - Die ersten Tropfen. Ach, ich hab keinen Schirm. Da kann man druntergehen, dann wird man nicht so naß. Ach, das regnet aber doll. Oijoijoijoijoi. Wo kann ich jetzt hin? Und es donnert immer mehr, immer mehr! - Er stellt sich unter einen Baum und es regnet in Strö-men. Plötzlich hört es auf und der Klient sieht einen Regenbogen, von dem er sich erhofft, daß er ihm Glück bringt. - Regen-bogen, bringst du mir Glück? Oh, die Wur-zel gibt mir nochmehr Wasser. Vielleicht hat mir der Regenbogen das beschert. Die Wurzel sagt, nimm nur, solange ich noch Wasser geben kann. Das ist ein besonderes Wasser. ... Liebes Wasser. Ich hab vorhin schon getrunken von dir. Jetzt schmeckst du anders. Jetzt schmeckst du ganz frisch vom Regen. Ich nehme jetzt das Wasser und wasch mich ein bisschen. Und ich trinke nochmal, ich hab so einen Durst. Ach, tut das gut. Der Vogel kommt. Der trinkt auch. Der putzt sich sogar damit. Wie goldig. - Der Klient fragt auf Vorschlag des Therapeuten den Vogel, ob er ihm helfen will auf der Suche nach dem Hinter-grund seiner Krankheit, doch der Vogel fliegt weg. Der Klient fühlt sich daraufhin einsam und verlassen und beschließt, zu-rück zum Haus zu gehen. Er ist erstaunt, weil der Raum viel sauberer ist als vorher. - Aber hier muß trotzdem noch was gemacht werden. Vielleicht kann ich ja dann hier wohnen. - Der Klient möchte die Holzdecke fertig machen und bemerkt, daß er das alleine nicht schafft - Aber es ist niemand da, es ist niemand da. Ich muß suchen. ... Da hinten kommt jemand. Er bringt das Holz. Das ist glaube ich der alte Mann. Aber der kommt mir jetzt jünger vor. Hallo, bist du der Mann von vorhin? Ja, sagt er. Hast du das Wasser gefunden von der Wurzel? Ja, er hat es getrunken. Jetzt kann der alte Mann das Holz tragen.
Th: Wie ist das für dich, wenn du das so siehst und hörst? Er war am Aufgeben. Er hat gesagt, nichts wie raus hier, sonst wirst du krank. Er hat gesagt, er ist zu schwach und kann dir nicht helfen. Und jetzt ist er jung und stark und hilft.
Kl: Ja, das ist gut. Du bist jetzt so stark geworden und kannst mir jetzt helfen. Das finde ich ganz toll. Komm, wir machen das zusammen. - Sie arbeiten. -
Jetzt bin ich müde. Jetzt kann ich nicht mehr arbeiten. Lieber Mann, kannst du alleine weitermachen? Ich muß mich erst ein bisschen ausruhen. Er sagt, ich soll ruhig gehen. Er guckt, was er machen kann. - Musik, längere Pause. Ich habe ge-schlafen und jetzt bin ich wieder in dem Raum.(erstaunt) Der ist jetzt fertig. Der Mann hat das alles gemacht, ohne mich. Das ist wunderschön.
Th: Ja, dann schau mal, ob es noch was zu tun gibt in diesem Raum oder welche Impulse du hast. - Der Klient räumt noch ein bisschen auf. Der alte Mann hat sich zurückgezogen.
Kl: Der hat keine Lust mehr zu helfen. Der will nicht meine Arbeit machen.
Th: Genau, der will mithelfen, aber an-scheinend sollst du die Hauptarbeit ma-chen. - Der Klient verputzt die Wände, als plötzlich eine Katze das Zimmer betritt.
Kl: Liebe Katze, du kommst zu mir, du bist so goldig. Wollen wir spielen und schmusen? Sie miaut. Sie erkennt den Raum nicht mehr. Findest du ihn schön? Sie miaut wieder.
Th: Frag sie auch noch, ob diese Art von Arbeit, wie wir sie jetzt gemacht haben, dir guttut und ob du das weitermachen sollst.
Kl: Ja, sie miaut wieder, das heißt „ja“. Sie sitzt jetzt da und putzt sich. Die fühlt sich hier wohl. Liebe Katze, hier sind noch mehr Räume, soll ich die auch alle renovieren? Noch nicht, sagt sie auf einmal, ich hab nicht soviel Kraft, sagt sie. - Plötzlich kommt der alte Mann die Treppe runtergelaufen. - He, du läufst ja plötzlich so schnell. Ja, er hat von dem Wasser ge-trunken, sagt er. Ja, lieber Mann, was sagst du jetzt? Der Raum ist jetzt fertig. Du hast angefangen. Ich hab ihn jetzt fertig gemacht. Soll ich die anderen Räu-me auch machen? Was meinst du? Er sagt, ich schaffe das noch nicht. Das ist für einen zuviel.
Th: Das heißt also, du brauchst Hilfe. Würde er dir wieder helfen?
Kl: Können wir das zusammen machen? Ja, er nickt. Wenn ich es nicht mache, sagt er, kann ich in dem einen Raum nur leben. Sonst hätte ich viel mehr Platz. Was heißt das für meine Krankheit? Er sagt, ich soll mich vorsehen, mich ein bisschen schonen. Aber ich kann das machen. - An dieser Stelle wird deutlich, daß Renovieren bei dem Klienten mit Kraftverlust geankert ist, da er selbst ein Haus gebaut hat, was ihn sehr viel Kraft gekostet hat. Am Ende der Sitzung führt der Therapeut den Klienten nochmal in den ersten Raum.
Kl: Der ist nicht schön der Raum, der sieht immer noch alt und vergammelt aus. Nee, da möchte ich nicht drin sein.
Th: Spür mal, ob das wichtig wäre, den auch zu renovieren.
Kl: Ja sicher, der ist ja in der Nähe von dem anderen Raum, in dem ich eben war. Aber da muß mir jemand helfen. Das kann der alte Mann auch nicht, da muß noch andere Hilfe kommen. ... Die Katze läuft dauernd im Kreis rum. Ich weiß, die will mir zeigen, ich soll da rundherum was machen.
Th: Frag die Katze mal, wenn du diesen Raum und auch andere aufräumst, veränderst, ob du dadurch sowas machst, wie dich selbst heilen. Wenn ja, soll sie miauen.
Kl: Die Katze guckt mich ganz dumm an, sie kratzt an der Wand. Sie will mir zeigen, das ist auch alles baufällig. Wahr-scheinlich soll ich es machen. Ja, ja, ich soll den Raum renovieren. Sie wedelt mit dem Schwanz und miaut.
Th: Hol nochmal diesen Mann herbei und frag ihn auch.
Kl: Der Mann sitzt auf der Bank vor dem Haus. He, Mann, du rauchst ja auf einmal Pfeife, das ist ja ganz was Neues. Vielleicht war es deshalb so stinkig in dem Haus. Jetzt ist der Raum frisch gemacht. Da darfst du jetzt nicht mehr rauchen. Was meinst du, soll ich hier weitermachen, die Räume renovieren - werde ich dann ge-sund? Ja, er sagt, ich soll langsam ma-chen.
Th: Frag ihn mal, wie lange dauert die Gesundungsphase, wieviel Monate? Er soll mal mit den Fingern zeigen, wieviel Monate es dauert.
Kl: Er zeigt eine Hand und noch drei Finger. Er meint 8 Monate.
Th: Gut. Ich würde dir jetzt vorschlagen, geh nochmal zu dieser Wurzel, laß dir nochmal die Medizin geben, dann such dir einen schönen Platz, wo du dich ausruhen kannst. Und wenn du möchtest, kannst du diesen Mann und diese Katze ruhig mitnehmen.
4. Session:
Der Klient öffnet neugierig eine schwere Holztür ohne Aufschrift. Die Tür quietscht und er meint, die müsse auch geölt werden - überall sei Arbeit für ihn. Hinter der Tür kommt ein Raum zum Vorschein mit einer Bar und schweren Tischen und Stühlen, außer-dem einem Kamin, in dem es noch nach Feuerholz riecht. Überall stehen Flaschen und Gläser. Plötzlich entdeckt er einen Mann, der den Raum aufräumt. Dieser Mann erzählt, daß hier gefeiert wur-de. Der Therapeut schickt den Klienten auf der Zeitachse rückwärts zum Zeitpunkt der Feier. Er landet bei einer großen Familien-feier, wo er sich sofort vertraut und wohl fühlt. Einer der Gäste fordert den Klienten auf, sich an den Kamin zu setzen. Er tut es und genießt die wohlige Wärme des Feuers.
Kl: Das Feuer sagt, setz dich zu mir. Ich geb dir Wärme, die wird dir guttun. - Er tut es - Ich sitz vor dem Feuer und beobachte, wie ein Holzscheit nach dem anderen verbrennt. Das tu mir so gut.
Th: Ja, du scheinst sowas wie Wär-me und Feuer zu brauchen, das tut dir an-scheinend sehr gut. ... Bleib einfach mal solange dort, bis sich von selbst was verändert. Genieß es einfach mal eine Zeit-lang und wenn sich was verändert, dann sag es mir. - Musik und Feuergeräusch, Der Klient erinnert sich an einen Ausflug mit einer Jugendgruppe zu einer Berg-hütte. Plötzlich melden sich die Schmer-zen wieder, als der Klient an den anstrengend Rückweg von der Berghütte denkt.

Th: Die Schmerzen sollen sich mal als Bild zeigen, als Gestalt, als Figur vielleicht. Wie sieht sie aus?
Kl: Ich könnte mir vorstellen, daß das ein Teufel ist mit einem Stock mit Zin-ken vor-ne dran, der mich immer sticht.
Th: Ja, setz die Energie mal in ein Bild um und spür mal, wie er dich sticht. Und dann frag ihn mal, warum machst du das oder sowas.
Kl: Ja, Teufel, warum machst du das? Warum fügst du mir dauernd soviel Schmerzen zu und lachst noch dabei? Er hüpft rum und lacht. Du hast wohl Spaß dran, andere Leute zu quälen. Wa-rum machst du das? Ich kenn dich doch gar nicht, ich hab doch noch nie was mit dir zu tun gehabt. Warum quälst du mich so? Er gibt keine Antwort.
Th: Beschwer dich mal, werd mal energischer; der soll dir eine Antwort geben.
Kl: Sag mir jetzt mal, was ist los? Was hab ich falsch gemacht? Ich kann mich doch gar nicht wehren. Ich hab doch keine Waffe. Laß das doch sein. ... Er sagt, er macht das so lan-ge, wie er will. ... Du schikanierst mich richtig. Hör auf. Sonst werde ich richtig böse.
Th: Ja, mach das mal, sag ihm mal richtig bescheid.
Kl: Ich hab nix, womit ich mich wehren kann, aber ich nehm jetzt den Stein. Da liegt ein Stein - ich schmeiß mit dem Stein nach ihm. Ui, der Stein ist schwer. Wenn er mich wieder piekst, dann kriegt er das.
Th: Paß auf, wir machen mal folgendes: Ich geb dir mal so ein Stück Rohr in die Hand und jetzt stellst du dir mal vor, du haust auf ihn drauf. Guck ihn dir mal an, wie er darauf reagiert. Du kannst dich jetzt wehren, jetzt hast du was in der Hand.
Kl: Jetzt sieht er, daß ich eine Waffe hab und jetzt macht er nix mehr. Er geht nur an die Wehrlosen.
Th: Ja, siehst du, du wehrst dich nicht. Aber jetzt bist du in der Lage - schlag mal auf dem Boden und sag ihm mal be-scheid - Schluß jetzt, er soll jetzt mal aufhören.
Kl: Das kennen wir. Geb die Gabel her, da will ich dich pieksen jetzt. Jetzt bist du dran, jetzt pieks ich dich. Der läuft weg.
Th: Nix da, der soll hierbleiben. Hol ihn herbei. Das wird jetzt mal geklärt, nicht daß er heute Nacht wieder ankommt.
Kl: Der ist aber schneller wie ich, ich krieg den nicht. Ich hab doch die Schmer-zen, die er mir zugefügt hat. Ich kann ihn nicht kriegen, der läuft mir weg. Wenn der wiederkommt, dann kann er was erleben.
Th: Ja, aber du siehst diesen Wirkungs-mechanismus. Wenn du wehrlos bist, dann bist du ihm untergeordnet. Und er ist ja nur so ein Symbol, so ein Ausdruck, so ein Sinnbild für eine Energie in dir. Du mußt dich wehren. Du mußt die Bereitschaft haben, dich zu wehren, dann ändert es sich sofort. Es reicht schon, daß du innerlich sagst, ich wehr mich, ich laß mir das nicht mehr gefallen, schon verändert sich sofort was. So, was ist mit deinen Schmerzen im Körper, hat sich was verändert?
Kl: Sie sind weniger geworden.
Th: So, dann hol nochmal ein paar Leute herbei, wo es sinnvoll wäre, daß du dich mal ein bissschen durchsetzt, ein bisschen mehr wehrst. Guck mal, wer da ganz von selbst auftaucht, jetzt. - Er konfrontiert sich mit seinen Arbeitskollegen, die immer in seinem Büro gerauicht haben
Kl: Wenn ihr nicht aufhört hier, ich schmeiße euch alle raus. Ich nehm den Knüppel und ich verjag euch. Die lachen nur.
Th: Die nehmen dich nicht ernst, merkst du es? Du scheinst es denen mal klarmachen zu müssen. Das ist wie mit dem Teufel, der hat auch gelacht. Du mußt es mal klarmachen, daß du es notfalls doch machst, daß du dich durchsetzt.
Kl: Das ist hier mein Büro, hier wird nicht geraucht. Ich bestimm das, wer hier raucht. Sonst hat hier keiner was zu sagen. Und wenn ihr nicht hören wollt, ich schlag euch mit dem Knüppel alle raus hier. (schlägt)
Th: Und die müssen ja sagen, guck ob sie nicken, ob sie einverstanden sind.
Kl: Die sagen zwar ja, aber sie sagen auch, was will denn der schon mit dem Knüppel.
Th: So richtig glauben sie dir nicht. Hau mal richtig kräftig mit dem Knüppel auf den Boden, damit sie Respekt kriegen. Probier mal aus, was du machen kannst. Das sind eh nur deine Bilder. Mit denen kannst du machen, was du willst, denen kannst du notfalls auch einen überbraten. Trau dich mal.
Kl: (schlägt) Ja, ich mach das ganz einfach. Ich versteck mich jetzt hinter der Tür und wer reinkommt mit einer Zigarette, der bekommt ein paar über. (schlägt) So, die Zigarette ist aus. (schlägt) Bumm! Und Bumm! So, jetzt kommt keiner mehr rein. Jetzt sind alle schockiert, das hätten die überhaupt nicht von mir erwartet. Aber ich will ja keine Probleme in der Firma haben, wenn ich die Leute hau. Aber die müssen auf mich hören, das ist ja mein Büro. Wenn ich das anordne, dann muß das so gemacht werden.
Th: Richtig, die müssen total Res-pekt haben vor dir. Und was wichtig ist, guck mal, die Bilder in deinem Kopf, die müssen machen, was du willst, das ist wichtig, sonst hast du Energien in dir, die dich nicht ernst nehmen. Um das geht es. Du mußt in deiner Innenwelt der Herr von allem sein. Und wenn du sagst, sie sollen Kniebeugen machen, dann müssen die Kniebeugen machen. Und das mußt du hinkriegen. Das sind deine Bilder. Was du dann draußen in der Firma machst, ist eine ganz andere Ebene dann. Aber in dir muß es klar sein - hier wird nicht mehr geraucht - dann spüren es die anderen draußen auch so klar, weißt du? - Klient bejaht - Du mußt energetisch ganz klar sein. So und jetzt guckst du mal, ob deine Arbeistkollegen Kniebeugen machen, wenn du das willst.
Kl: (schlägt) So, kommt mal alle her, jetzt macht ihr mal alle Kniebeugen. (schlägt) Rauf, runter, Kniebeugen, das ist gut für die Verdauung. (schlägt) Und du auch, du gehst auch runter. ... Ja, sie machen das, aber nur weil ich einen Stock habe.
Th: Ok., leg den Stock zur Seite und guck, ob sie es dann auch machen.
Kl: Sie lachen und meinen „Was soll denn das jetzt!“ ... Ihr macht Kniebeugen und hebt eure Asche und die Zigaretten auf. (schlägt) Hebt euren Dreck auf. Aufheben!(schlägt) Die machen das so-gar.
Th: Siehst du das geht. Du kannst das. Du hast die Energie, du mußt sie nur klar in dir spüren und klar in dir ausdrücken. Und du brauchst nicht mal wütend zu werden - einfach nur Anweisung geben und es funktioniert.
Kl: So, jetzt gibt es nichts mehr aufzuheben. Jetzt gehen sie weg, jetzt haben sie genug von mir. Die kommen bestimmt nicht nochmal wieder.
Th: Ja, laß dich mal überraschen, vielleicht ist das ja auch nur deine Angst. Laß mal ein bischen Zeit rumgehen. Und in der Zwischenzeit kannst du ja mal reinspüren, was deine Schmerzen ma-chen.
Kl: Ja, die sind weniger.
Th: Merkst du was, da gibt es einen Zusammenhang. Wenn du einforderst, dich durchsetzt, werden die Schmerzen weniger. Wie beim Teufel, wenn du nichts machst und abhängig bist, macht er dir Schmerzen und wenn du dich wehrst, werden die Schmerzen weniger. Also wären deine Schmerzen schon fast was Sinnvolles, weil sie sagen dir immer wieder - wehr dich! Sowas wie, das hast du zu lernen und zu üben, ganz dringend, dann gehen die Schmerzen auch weg. Frag mal den Teufel - hol ihn nochmal herbei - und frag ihn ganz konkret, wie ist das? Wenn ich mich in Zukunft mehr wehre, tust du mir dann weniger weh?
Kl: Teufel komm mal her. Wie ist das? Dann ist es uninteressant, sagt er, dann macht es ihm keinen Spaß mehr.
Th: Siehst du, ganz klare Aussage - wenn du die Energie übernimmst, dich zu wehren, dann brauchst du den Schmerz nicht zu kriegen. Es geht gar nicht so sehr, da-rum, daß du dich wehrst, daß du es tust, sondern daß du in der Lage bist, es zu tun. Und du hast die Energie und du kannst dich wehren, das ist zu spüren einfach. So, jetzt laß dich mal überraschen, wie es mit deinen Kollegen weitergeht.
Kl: Da kommt nur noch einer und bringt einen Becher Eis mit. Das ist ja jetzt richtig beruhigend hier. Jetzt kann ich auch mal richtig Pause machen. Weißt du lieber Kollege, wenn die anderen machen, was sie wollen und mir auf der Nase rumtanzen, dann krieg ich immer Schmerzen. Und jetzt geht es mir wesentlich besser. Die Luft ist rein, die hören auf mich und mir geht es auch gut. Ich hab keine Schmerzen mehr. Warum wollt ihr mich denn hier immer piesaken?Er sagt, die haben nichts gegen mich. Die kommen halt zu mir, weil mein Büro abgelegener ist und weil man in der Firma eigentlich gar nicht rauchen darf. Sie haben auch immer Probleme zuhause mit ihren Maschinen und sie wollen mit mir darüber reden.
Th: Das heißt, du hast es eigentlich nur versäumt, dich abzugrenzen. Eigentlich wollten die dich gar nicht ärgern.
Kl: Ja. Die wollen mich ja gar nicht ärgern.
Th: Ja, und du hast mitlerweile Lungen-krebs gekriegt. Die haben geraucht und du hast den Krebs. Ich denke, es ist jedoch weniger der Grund, das geraucht wird, sondern was es dir subjektiv ausmacht. Wenn du ständig darunter leidest, daß die rauchen, dann geht das auf dein Unter-bewußtsein, auf dein Immunsystem.
Kl: Ja, das ist richtig. Das war immer eine innere Wut. - Der Klient geht nochmal in so eine Situation, wo die Kollegen sein Büro vollgeraucht haben und sagt es ih-nen nochmal. Die Kollegen erklären sich bereit, drau-ßen zu rauchen und sie entschuldigen sich auch. Schließlich geht er noch in die Werkstatt nebenan, wo ein Kollege immer im Raum mit Farbspray-dosen spritzt. Er macht auch ihm klar, daß er das woanders machen soll. Schließlich geht er noch zum Vorgesetz-ten und redet mit ihm darüber. Er besteht drauf, daß an der Situation etwas geändert wird. Nachdem er sich durchgesetzt hat, werden seine Schmerzen noch geringer.
Th: Ok., du siehst aber wieder ganz eindeutig, du mußt dich durchsetzen. Dann geht es deinem Körper sofort besser. Du mußt bereit sein, zu sagen, ich will das nicht. Das Gesündeste, was es gibt, ist sich abzugrenzen, das lernt ein Kind mit 2-3 Jahren schon. Vielleicht hast du das bei deiner Mutter nicht so richtig gelernt - hol die mal herbei.
Kl: Ich war immer untergeordnet. Du wolltest aus mir immer einen Musterschüler machen.
Th: Ja, Musterschüler heißt ja auch, daß du nicht du selbst bist. Sie müßte jemand aus dir machen, der groß und stark wird, der sich durchsetzen kann.
Kl: Ja, Mutter, das ist ganz wichtig ist. Ich muß sehen, wo meine Grenzen sind. Ich muß mioch selbst entfalten können und ich muß mein Leben selber steuern können. Was soll ich denn machen, wenn du nicht mehr bist? Wen soll ich dann fragen? Ich muß auf eigenen Füßen stehen. Ich muß selbst an meine Grenzen gehen. Ja, sie sagt, das wär alles falsch.
Th: Dann sag ihr, du bist krank ge-worden. Und sag ihr auch du hast eben gelernt, wie wichtig es ist, sich durchzusetzen.
Kl: Ja, Mutter, so mit deiner Erziehung, das hat mich krank gemacht. Ich muß selbst entscheiden können und muß selbst bestimmen über mein Leben. Nur so kann ich überhaupt bestehen. Ich brauch keinen Vormund. Und wenn ich Fehler mache, dann lerne ich aus den Fehlern.
Th: Ist sie bereit, das zu akzeptieren? Ja oder nein? Frag sie ganz direkt.
Kl: Ja, sie redet mir nicht mehr rein. Ich soll halt machen, was ich will - hat sie gesagt. Dann bin ich nicht mehr ihr Sohn.
Th: Halt, sofort widersprechen. Du bist weiterhin ihr Sohn, weil sie ist deine Mu-tter. Und das gehört dazu. Ein Sohn hat selbstständig zu sein, irgendwann, sag ihr das ganz klar. Du bist nicht deshalb ihr Sohn geworden, damit du machst, was sie will. Widersprech sofort.
Kl: Ja, Mutter, so kannst du das nicht sehen. Ich bin dein Sohn, dein leiblicher Sohn. Egal, was ich falsch mache, bin ich trotzdem dein Sohn. Das ist mein Leben und ich muß selbst enstcheiden für mein Leben. Und ich kann mir nicht von dir alles vorsagen lassen. ... Naja, sie sagt, ich soll’s halt probieren. ... Also, liebe Mut-ter, ich weiß ja, daß du das Beste für mich haben willst. Und es ist nicht leicht für dich, mich zu verlieren, weil ich meinen ei-genen Weg gehe. Aber trotzdem, wenn ich meinen eigenen Weg gehe, können wir uns immer wieder sehen. Ich bin ja trotzdem da. Bloß, laß mich mein eigenes Le-ben leben. Ich möchte frei sein. Ich möchte mich nicht dir unterordnen. Ich fühle, es ist jetzt die richtige Zeit gekommen, wo ich mich nicht mehr von dir bevormunden lassen kann. Du mußt das akzeptieren. Und wenn du das akzeptierst, dann können wir in Frieden und in Liebe weiterleben. ... Sie überlegt. Sie denkt jetzt nach, ob ich recht hab. Sie sagt immer wieder, daß das bei anderen nicht so ist. Aber ich mache ja nix böses. Ich bin ja kein Bandit. Ich mach doch nur das ganz normale, was jeder in dem Alter macht. Ich will doch nur das Positive im Leben.
Th: Und spür mal, du darfst Fehler ma-chen. Jeder macht Fehler. Sonst hast du einen unendlichen Streß, ja nichts falsch zu machen. Wenn deine Mutter das Be-ste für dich will, das nützt nichts. Du mußt herausfinden, was das Beste für dich ist.
Kl: Ja, Mutter, ich weiß, es tut dir sehr weh, wenn ich mein eigenes Leben lebe. Ich weiß, es ist schlimm für eine Mutter, wenn ihr der Sohn weggenommen wird.
Th: Und dir tut es auch weh.
Kl: Ja, Mutter, mir tut das auch weh, wenn ich dich so verlassen muß. Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht, mein Le-ben selbst zu leben. ... Ja, Mutter, wenn ich auch mein eigenes Leben, möchte ich dich trotzdem immer noch besuchen können und dich im Hintergrund immer noch wissen. Und ich möchte auch, daß du dich freuen kannst über meine Entwick-lung. Du sollst stolz sein auf deinen einzigsten Sohn, wenn ich auch vielleicht nicht das geworden bin, was du gerne gehabt hättest. Ja, sie sagt, sie will mir nicht reinreden, ich müßte es ja selbst entscheiden.
Th: Ist sie denn bereit, es dir zuzubilligen, daß du alles selbst entscheidest und daß sie auch nicht mehr motzt und jammert darüber. - der Klient zweifelt daran - Ok., damit du die Zweifel verlierst, soll sie dir die Hand darauf geben. Reicht euch die Hände als Zeichen dafür, daß es in Zukunft so ist, als Ritual dafür, daß sie dich total in deine Freiheit und in deine Eigenverantwortung entläßt.
Kl: Ja, sie reicht mir die Hand mit Tränen in den Augen.
Th: Ja, toll. Ist ok., wenn sie ein bisschen weint dabei. Das ist ja auch sowas wie ein kleiner Abschied. Und hol mal jetzt den alten Mann dazu und frag ihn, ob das, was jetzt passiert ist, auch für deine Gesundheit wichtig ist.
Kl: Ja, lieber Mann, gib mir doch mal wieder einen Tip. Ich glaube, auf dich kann ich hören, dir kann ich vertrauen. Was meinst du, ist das gut für mich, wenn ich auf eigenen Füßen stehe, wenn ich alles selbst entscheide? Ja, der Mann sagt, dieser Prozeß, den geht jeder Mensch durch. Das mußte er auch tun und beim einen geht es früher, beim anderen später. Er sagt auch, ich muß mein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen. Ja, das ist die erste Bestätigung, daß es der richtige Schritt war.
Th: Und wie fühlt es sich an.
Kl: Ja, ich weiß nicht, ich fühle mich wohl frei, aber es ist halt so, man weiß ja nicht, was alles auf einen zukommt. Das ist die Ungewißtheit. Und wie wird man diese Probleme lösen. Aber ich hab ja noch die Möglichkeit, ich kann ja jederzeit meine Mutter nochmal fragen.
Th: Gut, paß mal auf, ich spiel dir jetzt mal deinen inneren Löwen ein. Der steht für Aggression und für Durchsetzungs-fähigkeit, da haben wir heute dran geübt. - Löwengebrüll wird eingespielt - Ja, da ist er. Sag mir mal, wie er aussieht, wie du ihn wahrnimmst.

Kl: Ja, der übertreibt es aber. - Der Therapeut fordert zur direkten Kommuni-kation auf - Du, Löwe, du übertreibst es aber. So aggressiv muß man ja nicht gleich sein. Du er-schreckst mich schon. Hoffentlich bin ich nicht so, sonst vertreib ich ja mei-ne ganzen Freunde. Die fürchten sich ja alle, wenn ich so bin, die machen ja alle einen großen Bogen um mich. Ich will ja meine Freunde nicht verlieren. - Der Therapeut fordert ihn auf, seine Freunde auftauchen zu lassen - Der eine sagt: Auch solche Löwen kriegen wir zahm. Die anderen sagen: Naja, du kannst ja ruhig mal ein bisschen schreien, wenn das befreit.
Th: Ja und wichtig ist nur, daß du vor dem Löwen keine Angst hast, denn das ist ja dein Löwe, das ist ja dein Bild. Der muß ja eigentlich auch wieder machen, was du willst. Geh mal ein bisschen dichter an ihn ran und red mal mit ihm.
Kl: Hallo Löwe - Löwengebrüll wird eingespielt - fauch doch nicht so! Das ist ja ganz niedlich, aber so einen Schrecken mußt du mir jetzt auch nicht einjagen.
Th: Geh dichter, geh noch dichter. Faß ihn an, berühr ihn mal.
Kl: Du bist ja ein ganz zotteliger Kerl. So richtig Angst hab ich nicht vor dir, lieber Löwe. Du bist zwar ein bisschen laut... - Löwengebrüll.
Th: Frag ihn mal, ob er dir in Zukunft helfen will, daß du dich ein bisschen leichter durchsetzen kannst.
Kl: Ja, er will mir helfen. Die Schmerzen sind total weg, seit ich den Löwen gehört habe. Der Löwe, der kann Berge versetzen.
Th: Ja, das ist dein Löwe - Löwengebrüll - Ich mach nur die Töne dazu. Was du siehst ist dein Löwe, ist deine Power. Diese Möglichkeit ist in dir. Wenn du ihn beherrscht, dann ist es sowas wie Power und wenn du ihn nicht beherrscht, dann ist es unkontrolliert, dann kann es gefährlich werden. Ok., such dir jetzt mal eine konkrete Situation aus, wo du den Lö-wen hättest brauchen können. - Der Klient geht in eine Situation mit seinen Arbeitskollegen und setzt sich mit Hilfes seines Löwen durch. Die Arbeitskollegen und sogar sein Vorgesetzter haben anschließend Respekt vor ihm. - Sehr schön. Guck mal, wie du dein Leben verändert hast in deinem Unterbweußtsein. Nur weil du gelernt hast, dich durchzusetzen, weil du dich erinnert hast, daß du die Power hast, wenn es darauf an-kommt. Das sind alles Bilder, aber das sind Bilder aus deinem Unterbewußt-sein. Die sind autonom und die waren vorher anders. Vorher sind die dir auf der Nase rumgestrampelt, jetzt respektieren sie dich. So hast du dein Unterbewußt-sein jetzt verändert und das hat eine Wir-kung. Und anscheinend sogar diese Wir-kung, daß deine Schmerzen aus deinem Körper sogar weg sind. Zumindest jetzt und sie können wiederkommen. Aber wenn sie wiederkommen, dann anscheinend immer zur Erinnerung, daß du lernen mußt, dich abzugrenzen, durchzusetzen, Nein zu sagen, klar zu sein. - Klient bejaht - Und wenn du das macht, dann wirst du gesund. Und wenn das stimmt, dann soll der alte Mann jetzt mit dem Kopf nicken und wenn das nicht stimmt, soll er den Kopf schütteln.
Kl: Ja, der nickt.
Th: Geh jetzt nochmal in den ersten Raum und schau mal, ob sich was verändert hat.
Kl: Ja, das ist schön. Ich finde es schön, wenn man so losgelassen ist. Das ist schön in dem Raum. Die Tür muß ich mir merken. Wenn ich mal traurig bin, dann komm ich hier rein.-Er fragt die Menschen, ob er jederzeit zu ihnen kommen und mit ihnen feiern kann, wenn er sich einsam fühlt. - Sie sagen „selbstverständlich“ und sie wollen wissen, warum ich traurig bin. Ja, ich bin so traurig, weil ich so krank bin. Ich bin so krank und muß so viele Schmerzen ertragen. Hier bei euch vergeß ich die Schmerzen und mir geht es besser. Zu dem alten Mann kann ich auch jederzeit kommen. der sucht auch einen Freund und wir kennen uns jetzt schon so gut.
Th: Ok., und vergiß nicht die Wurzel, geh ab und zu mal zu ihr.
Kl: Ja.6. Session:
Der Klient landet am Meer. Meeresrau-schen wird eingespielt.
Kl: Wasser, du bist eine Naturgewalt, vor dir muß man Respekt haben. Es ist faszinierend für mich, das zu beobachten, aber mit ausreichend Abstand, damit einem nichts passieren kann. - er erinnert sich an einen Unfall am Meer, wo er von einer Welle umgeschmissen wurde. - Auf einmal hab ich keinen Grund mehr. Ich bin unter Wasser. Ich krieg keine Luft. Wo ist jetzt oben, wo ist unten? Ich muß hochkommen.(hustet und bekommt Atem-not) Ah, das Wasser nimmt mir die Luft weg. Ich muß ausspucken, ich hab Was-ser geschluckt. Ah, so ein Streß. - der Klient verändert die Situation, indem er bei der nächsten Welle, die Luft anhält, bevor er springt - Uh (schluckt und hustet) ich bin umgekickt, aber ich bin wieder hochgekommen. Ich hab keine Panik mehr, weil ich merke, ich komme wieder hoch.
Th: Gut, jetzt laß ich das Meer ein bisschen stürmischer werden - Meeresrau-schen wird eingespielt - und erlaub dir ruhig mal, in das Wasser einzutauchen.
Kl: Es ist schon schön, aber es ist auch mit viel Gefahr verbunden. Lieber mach ich das nicht.
Th: Wie ist es mit deinen Schmerzen?
Kl: Wird immer schlimmer. Ich schwitze auch plötzlich so doll, vielleicht ist es die Anstrengung im Wasser. Ihr Wellen, ihr kommt so schnell zum Strand, ich kann euch ja gar nicht entfliehen. Das sind Mörderwellen. Das ganze Meer ist aufgepeitscht. Warum tu ich mir das eigentlich an? - Der Klient hat starke Schmerzen. Er drückt sie zuerst durch Töne aus und schlägt dann mit dem Schlagstock auf die Schmerzen drauf. - Ich sehe jetzt da hinten ein kleines Schiff, das schaukelt in den Wellen. Das geht unter. - Der Klient erinnert sich hier an eine real erlebte Szene. Der Therapeut fordert ihn auf, sich ebenfalls auf das Boot zu begeben bzw. sich die Szene aus der Nähe zu betrachten. - Ich hab soviel Salz im Auge von dem Wasser.
Th: Ja, aber schau trotzdem mal hin. - Der Klient sieht eine, in einen Plastiksack eingepackte Wasserleiche.
Th: Geh mal hin zu denen und sag denen mal, sie sollen ihn mal auspacken.
Kl: Laßt mich den mal sehen. ... Ich sehe, daß der Mann ganz erschöpft sein muß, daß er gekämpft hat gegen die Wellen.
Th: Ja, sag ihm das.
Kl: Du hast wohl gegen die Wellen ge-kämpft - du siehst ja ganz erschöpft aus. Ja, es ist nicht leicht gewesen, sagt er, ich habe versucht, jemanden zu retten.
Th: Sag ihm mal, du bist auch ganz er-schöpft von dem ganzen Kämpfen mit den Schmerzen.
Kl: Ja, du, ich bin auch fix und fertig. Die-se starken Schmerzen, die machen mich kaputt. ... Du armer Mann, sag ich zu ihm, du wolltest auch immer anderen helfen und jetzt mußt du dafür mit deinem Leben bezahlen. Er sagt, das ist doch ganz normal, daß man anderen hilft, wenn sie in Not sind. Er hat nicht ge-dacht, daß es ihm so ergehen würde. Hoffentlich kommt er in den Himmel.
Th: Frag ihn mal.
Kl: Jetzt kommst du ins ewige Reich, in den Himmel. Da kannst du dann in Ruhe weiterleben. Möchtest du da hin? - Ja, sagt er.
Th: Jetzt geh mal in den inneren Bildern noch weiter zurück zu deinem letzten Wasserunfall. Erinnere dich nochmal daran. Spür nochmal, daß du im Wasser bist.
Kl: Ja, ich schwimme in dem See. Da sind Wasserpflanzen drin, ich spür die an den Beinen. Da ist eine Insel und meine Freunde haben die INsel schon erreicht. Die gehen schon raus. Ja, ich hab auch nicht mehr weit - noch drei, vier Züge, dann müßte ich auch da sein. Die sagen zu mir, ich kann schon stehen und plötzlich gehe ich unter. Ich komm gleich wieder hoch, aber ich hab mich erschrocken. Das dürft ihr mit mir nicht machen, mich so zu erschrecken! Was habt ihr euch dabei gedacht. Was sagt ihr denn, ich kann schon stehen, wenn es noch tief ist. Was macht ihr denn so dumme Sachen mit mir? Ihr wißt doch, daß ich kein so guter Schwimmer bin. Wollt ihr mir Angst machen. Die sagen, das war nur ein Spaß. Die sagen, wir lassen dich doch nicht absaufen, wir hätten dich schon ge-rettet. ... Aber ich hab so einen Schock gekriegt. Ich kann mich heute noch daran erinnern. Das ist bei mir gespeichert. So-was dürft ihr mit mir nicht mehr machen, sonst seid ihr keine Freunde mehr. ...Aua, ich hab solche Schmerzen.
Th: Jetzt geh nochmal bewußt unter Wasser und krieg mit, daß es nur eine Erinnerung ist. Daß du auch solange unter Wasser bleiben kannst, wie du willst, weil du jetzt mit deinem Bewußt-sein, in deiner Vorstellung unten bist. Bleib solange unten, bis es dir keine Angst mehr macht und spür einfach, daß es eine Erinnerung ist.
Kl: Ich merk das, daß ich immer wieder hochkomme. Ich bin vorhin nur er-schrocken, weil ich nicht damit gerechnet habe. Ich bin nur erschrokken, aber jetzt weiß ich, ich spür es ja, ich komme im-mer wieder hoch.
Th: Ok., und dann geh jetzt nochmal weiter zurück, als du ein ganz kleines Kind warst.
Kl: Ich seh dieses Wasserbassin. Ich guck da rein und ich sehe, da drin ist Wasser. Ich will es anfassen. Auf einmal erschrecke ich - da guckt mich jemand an. Das ist ja, mein Spiegelbild, aber weil das Bassin so schwarz gestrichen ist, sieht es so aus, als ob mich jemand aus dem Bassin anguckt. Ich will testen, ob das so ist. Ich versuche, denjenigen an-zufassen. Ich beuge mich über den Rand, ich geh tiefer. Ach, jetzt verlier ich mein Gewicht, plumps, bin ich da drin. - Wenn da drin jemand gewesen wäre, dann hätte ich ihn jetzt spüren können, der hätte mich ja jetzt halten können. Aber da ist niemand. Ich bin alleine hier drin. Es ist dunkel. Jetzt seh ich den Himmel auf einmal, er ist ganz weit weg. Ich seh ihn und ich merk nichts mehr. ... Ah, da kommt jemand, da greift jemand ins Wasser. Er zieht mich hoch. Er zieht mich hoch. Ich komme aus dem Wasser wieder hoch. Es hat mir jemand geholfen.
Th: Wie fühlt sich das an ? Wie ist das für dich?
Kl: Ja, ich fühl mich nicht mehr einsam und verloren. Ich fühle mich jetzt wieder sicher, wo ich merke, daß starke Hände nach mir gegriffen haben.
Th: Und jetzt laß mal alle vier Situa-tionen zugleich da sein, vielleicht als Erin-nerung, als Bild. Und stell dir vor, du löscht all diese Bilder. Vielleicht mit einem weißen Licht oder mit einer Taschen-lampe. So nach dem Motto, das hast du erlebt. Das waren Erinnerungen, aber das ist vorbei.
Kl: Das ist vorbei, ja. Das hab ich alles überlebt.
Th: Wie fühlt sich das an, das überlebt zu haben.
Kl: Schön.
Th: Hol mal diesen Mann herbei, den du immer in den Sessions hattest und den Vogel. Erzähl ihnen jetzt mal, was du erlebt hast.
Kl: Hallo, du Mann, du Vogel, wir kennen uns doch schon länger. Jetzt hab ich nochmal einen Blick in die Vergangenheit geworfen. Ich hatte da vier schlimme Er-lebnisse. Das erste Erlebnis war als kleines KInd. Ich bin in ein Wasserbassin gefallen. Ich wäre da nie mehr alleine rausgekommen. Ich bin untergegangen, hab Wasser geschluckt. Bis dann auf einmal von meinem Onkel die starken Hän-de nach mir gegriffen haben und mich rausgezogen haben. Beim zweiten Mal, als Jugendlicher bin ich im Badesee ge-schwommen zu einer Insel. Und kurz vor der Insel haben meine Freunde gesagt, du kannst stehen. Ich hab mich drauf verlassen und bin untergegangen. Ich hab es aus eigener Kraft geschaftt, wieder hochzukommen und auf die Insel zu klettern. Ich bin sehr erschrocken. Diese Angst hab ich jetzt auch überwunden. Und dann bin ich im Urlaub gewesen in Spanien und da schmeißt mich eine Welle um. Das war eine serh schlimme Situation. Ich bin untergetaucht, hab Wasser heschluckt, ich hab momentan gar nicht gewußt, wo ich bin. Aber ich konnte wieder irgendwie hochkommen und konnte das Wasser ausspucken. Ich habe diese Situation auch überlebt. Und dann ein, zwei Jahre später war ich an dem gleichen Ort gewesen und das Meer war sehr stürmisch und da hab ich gesehen, wie jemand ertrunken ist. Das war auch sehr schlimm für mich, daß sowas überhaupt passieren konnte. Das hab ich auch jetzt überwunden. Ich hab es hinter mir gelassen. Ich hab die vier gefährlichen Situationen nochmal vor mir abgespult und ich hab sie jetzt gelöscht in meiner Erinnerung. Sie sind zwar noch da, aber es ist nicht mehr so schlimm. Und was soll ich jetzt noch machen? Hab ich irgendwas vergessen? Könnt ihr mir noch einen Tip geben? Ja, die sagen, ich soll mich halt vorsehen, daß ich nicht wieder in so eine Situation komme, wo mir sowas passieren könnte. Und das, was ich erlebt habe, muß genug War-nung für mich sein. Und wenn ich mich nicht vorsehe, das nächste Mal könnte es genauso mich treffen, daß ich dabei sterbe. Das war ein Warnsignal für die Zu-kunft. - Der Klient geht nochmal zu der Wurzel und trinkt wieder von ihrer Flüs-sigkeit. Er ruht sich dann erneut bei der Wurzel aus.