Synergetik-Einzelsitzung: Das Herz-Zimmer

Die Klientin hatte vor wenigen Jahren Gebärmutterhalskrebs. In dieser Probe-sitzung versucht sie etwas über die Hintergründe herauszufinden.
Die Klientin öffnet eine Tür mit der Auf-schrift „Herz“. In dem Raum ist es dunkel. Nachdem sie einen Lichtschalter betätigt hat, erkennt sie kahle Wände und einen alten Steinfußboden.

Kl: An der einen Seite ist eine kleine runde Niesche, in der könnte eine Mutter Gottes drin stehen. Jetzt sind da nur Spinnweben.
Th: Wie fühlst du dich in diesem Raum?
Kl: Er sieht verlassen aus, ausgeräumt, als wenn hier jemand ausgezogen wäre. - Sie soll es dem Raum direkt sagen - Du siehst so verlassen aus. Ach, du wartest drauf, daß hier wieder jemand einzieht.-Wer hat denn vorher hier gewohnt? -Meine Mutter. Jetzt steht sie in der Tür. Hast du hier gewohnt? Warum bist du denn ausgezogen? Hast du dich nicht mehr wohlgefühlt? Wie lange ist es her, daß du ausgezogen bist? - Vor 30 Jahren.
Th: Dann geh mal 30 Jahre zurück. Vielleicht ist damals was ganz markantes passiert. Laß dich mal dort sein.
Kl: Ich bin jetzt 13 Jahre. Das weiß ich noch ganz genau. Ich bin sehr, sehr unglücklich. Sehr, sehr orientierungslos und einsam. Ich weiß nicht wo es für mich hingeht, was ich soll. Alles, was ich gerne gemacht hätte, durfte ich nicht.
Th: Laß deine Mutter dabei sein. Anscheinend ist sie damals aus deinem Herzen ausgezogen.
Kl: Weißt du, Mama, mir geht es ganz, ganz schlecht. Und dir ist es scheißegal, wie es mir geht. Kannst du mich nicht wenigstens in Ruhe lassen? Dauernd soll ich noch deinen Dreck weg machen.
Th: Schau mal, wie sie darauf reagiert.
Kl: Sie wird immer kleiner. He, du wirst ja so klein, wie eine Maus. Du willst mir nicht zuhören, du haust ab. Bleib hier und höre mir zu! Du kommst immer nur zu mir, wenn du was willst. Du willst gar nicht wissen, wie es mir wirklich geht. Du läßt mich alleine. Ich bin so unglücklich. Jetzt hat sie sich aufgelöst. Sie ist einfach abgehauen und hat alles von mir mitgenommen. - Klientin weint - Ich weiß überhaupt nicht mehr, wer ich bin, was ich will, was ich soll. Und du bist auch noch weg. Ich bin so alleine. - Klientin weint verzweifelt - Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Th: Ruf sie herbei, sie soll wissen, wie es dir geht
Kl: Komm her jetzt. Ich bin so alleine und du haust einfach ab. Sie ist da und sagt: Ich bin doch bei dir, du bist doch gar nicht alleine. - Du lügst! Du bist überhaupt nicht da. Du tust nur so. Du bist so verlogen! - Jetzt ist sie wieder weg.
Th: Hol sie wieder herbei,sie muß auch mit deiner Wut klarkommen.
Kl: Mama, komm her, ich hab dir was zu sagen. Ich will nicht, daß du dauernd abhaust. Du hast mich alleine gelassen. Ich bin stinkesauer auf dich! Du hast alles ausgeräumt. Mein Raum ist leer, nur noch Spinnweben sind drin.
Th: Frag sie mal, ob sie mit dem „Ausräumen deiner Gebährmutter“ auch was zu tun hat? Schau mal, ob sie nickt oder den Kopf schüttelt.
Kl: Sie schüttelt den Kopf. - Ich habe mir Sorgen gemacht um dich. - Ich frage sie, ob sie weiß, mit welchem Ereignis mein Gebärmutterhalskrebs zu tun hat. Zeige es mir ... Ja. Wieder bin ich ausgeliefert, bin total verzweifelt, habe keinen Platz, soll nur funktionieren und wenn ich meine Gefühle mitteile, will es niemand hören. Wenn es mir schlecht geht, bin ich alleine. Diese Auswegslosigkeit!
Th: Teile es ihnen mit, wie es dir geht.
Kl: Ihr wollt immer nur euer Ding durchziehen, auf meine Kosten. Da habe ich keinen Bock mehr darauf. Ich laß mich nicht mehr von euch ausnutzen. Mama, du kannst ruhig herbei kommen. Das gleiche gilt für dich. Wenn es mir be-schissen geht, haut ihr ab, wenn ihr mich nutzen könnt, seid ihr da. Das mach ich nicht mehr mit. Saugt aus, wen ihr wollt, aber nicht mehr mich. Ich brauche euch nicht mehr, und ich lasse mich nicht mehr ge-brauchen! Das ist gelaufen, verpißt euch!
Th: Jetzt schau mal, was sie alle dazu sagen oder wie sie darauf reagieren.
Kl: Sie sind erschrocken. Damit haben sie nicht gerechnet. - Ja, Mama, meine Stammfamilie mußte ich mir noch zwei mal schaffen, um das alles endlich aufzulösen. Ja, ich weiß, du hast getan, was du konntest, mehr konntest du nicht geben. Ich gebe dir auch keine Schuld mehr. Es ist vorbei. Leb du dein Leben und laß mich in Ruhe, ich leb mein Leben. Wir haben halt nichts Gemeinsa-mes, traurig aber wahr. Es ist halt so.
Th: Dann geh noch mal in den Raum hinein, der am Anfang da war. Da lebte ja früher deine Muter drin. Zeig ihr den Raum.
Kl: In dieser Niesche steht jetzt eine weiße Statue, eine Frau mit einem Kind im Arm.
Th: Sprich sie mal an.
Kl: Wer bist du? Was hast du für eine Botschaft für mich? - Sie schaut kurz auf, scheint in mein Herz zu schauen und sie sagt mir, während mir ganz warm um’s Herz wird: Mach weiter so, du bist auf dem richtigen Weg.
Th: Dann frag sie, ob du jetzt mit deiner Mutter noch was klären sollst, denn der Raum ist immer noch nicht richtig eingerichtet. Oder frage deine Mutter, ob sie dir helfen will, den Raum wieder gemütlich zu machen.
Kl: Meine Mutter steht neben mir und sagt gleich: Ach, das ist ja eine schöne Mutter Gottes. Weißt du was, ich nähe dir ein paar Gardienen für diesen Raum. Die hellen, langen, cremeweißen Gardi-nen sind auch schon fertig und verdecken die Steinwände, machen den Raum schon viel schöner.
Th: Frage die Statue mal, welchen Aspekt von Mutterliebe du dir noch an-schauen sollst.
Kl: Ja, sie sagt, ich soll mehr und mehr für mich sorgen, mir eine gute Mutter sein, mir mehr Raum für mich nehmen, mir zuhören, mich wahrnehmen, mir vertrauen. Ja, das fühlt sich ganz schön an. Ich brauche meine Mutter jetzt nicht mehr für mich.
Th: Dann bitte die Statue,sie soll dir das nächstwichtige Bild zeigen.
Kl: Sie sagt, das ist die Ausbildung, die ich schon angefangen habe. Sie würde mir noch ganz viel geben. - Klientin ist tief berührt und weint.
Th: Es klingt so, als ob du in eine Sehnsucht hineinkommst.
Kl: Ja, es ist so eine Sehnsucht nach „nach Hause kommen“, nach zu Hause ankommen. Die Ausbildung würde mich dabei unterstützen.
Th: Dann laß mal sehen, wie sich der Raum verändert in deinem Herzen.
Kl: In dem Raum sind jetzt ganz viele Kerzen. Auf dem Boden liegen dicke Teppiche. Neben der Statue stehen auch zwei dicke Kerzen auf einem Ständer. Wunderschön, alles. Rechts steht eine schöne Liege.
Th: Dann genieße deinen schönen Raum. - Und wenn du dazu bereit bist, verabschiede dich von der Statue, frage, ob du jederzeit wiederkommen kannst.
Die Klientin geht wieder zurück zu dem Gang mit den Türen. Sie wählt jetzt eine Tür mit der Aufschrift „Der Zwerg und das Teufelchen“.
Kl: Es geht zwei Stufen runter. Auf dem Boden sind große weiße Fliesen, keine Wände. Hier hat jemand angefangen zu renovieren.
Th: Ich schick dir mal einen Boten vorbei. - Schritte werden eingespielt.
Kl: Ein großer, gutaussehender Mann kommt. Sein Gesicht kann ich nicht se-hen. - Willst du mir was erzählen? - Du hast mich gesucht? - Was willst du von mir? - Er sagt, er will mich aufpäppeln. - Klientin lacht - Du willst mich halten, aber ich habe keine Lust auf Nähe. Er sagt,ich wäre ein schwieriger Fall. Die Frauen würden sonst immer auf ihn fliegen. - Tut mir leid, ich weiß auch nicht, was ich tun kann.
Th: Laß mal deine Fähigkeit zur Nähe, deine Nähe, als Gestalt auftauchen, und schau mal, wie sie aussieht, wie es ihr geht, was sie sagt.
Kl: Ein kleiner schwarzer, hutzeliger Zwerg ist aufgetaucht, und für eine Se-kunde habe ich ein Baby gesehen. Ich spreche ihn an und er sagt nur: Laß mich in Ruhe!
Th: Ja, deine Nähe will in Ruhe gelassen werden. Schau mal, was er braucht, was passiert ist.
Kl: Komm, erzähl mir, was passiert ist. Was kann ich für dich tun? - Er sagt, mir hört sowieso keiner zu! - Wer soll dir zu hören? Ah, ich! Ja, ich höre dir jetzt zu und ich sehe auch, wie traurig und verkniffen du bist. Es tut mir leid für alles, was geschehen ist, ich kann es nicht mehr verändern, aber bitte gib mir noch eine Chance und mach dich wieder auf. Sag mir, was ich für dich tun kann. - Er weiß nicht so recht, ob er mir trauen kann. Immer, immer würde ich nur hören, was die anderen sagen und immer, immer würde ich nur anderen gerecht werden und nie, nie, nie würde ich hören, was er sagt, oder auf ihn Rücksicht nehmen. - Ja, du hast recht, ich weiß es, mir ist es auch schon aufgefallen.
Th: Frag ihn doch mal, was sich in deinem Leben konkret verändern müßte.
Kl: Was kann ich verändern? - Mir mehr Zeit nehmen für mich alleine, mich nicht so viel um andere kümmern, das würde eh nichts bringen.
Th: Frag ihn mal, ob er irgendetwas mit deiner Beziehung zu tun hat.
Kl: Oh, jetzt haut er ab. Bleib hier, ich habe dich was gefragt. Gib mir bitte eine Antwort oder schicke mir jemanden vorbei. Jetzt taucht ein rotes Teufelchen auf.
Hallo Teufelchen, was hast du mit meinem Sexleben zutun? - Er ist nur am kichern und tanzen.
Th: Er soll dir mal eine Szene zeigen.
Kl: Er zeigt mir einen Raum, in dem ein Mann und ein Mädchen Nachlauf spielen und viel Spaß miteinander haben.
Th: Laß dich mal berühren, wie ist das für dich?
Kl: Ja, die haben viel Spaß miteinander. Wunderbar.
Th: Spür mal, ob du den in deiner Beziehung hast, ob das der Hinweis sein soll.
Kl: Ja, ich habe Sehnsucht nach albern sein, nach Quatsch machen, nach necken. Das kann ich nicht so mit meinem Partner, der ist so vernünftig.
Th: Dann frage das Teufelchen direkt, wenn du das mehr hättest, ob dann auch deine Lust auf Sex wieder steigen würde. Es soll mit dem Kopf nicken oder schütteln. Was macht er?
Kl: Er nickt mit dem Kopf. Fehlt mir da meine Lebendigkeit mit meinem Part-ner? Er sagt ja, mit ihm könnte ich nicht spielen.
Th: Dann laß deinen Partner mal herbei- kommen und zeig ihm das Teufelchen. Schau mal, wie die miteinander umgehen.
Kl: Das Teufelchen tanzt um ihn herum und er wehrt ihn immer ab. Mein Partner sagt, er hätte kein Problem mit dem Teufelchen. Er macht eh nur das, was er will. Aber ich höre nicht auf meine Be-dürfnisse und bin immer für ihn da. Dann verkriecht sich natürlich meine Nähe in die hinterste Ecke und ist stinkesauer.
Th: Bring doch mal den Zwerg und den Teufel zusammen- Nähe und Sexualität - und schau mal, wie die beiden miteinander umgehen.
Kl: Der Zwerg steht immer noch so verbissen da. Das Teufelchen tanzt um ihn herum und neckt ihn. Der Zwerg reagiert noch nicht mal.
Th: Der Zwerg hat ein ernstes Problem. Er soll dir mal ein Schlüsselerlebnis zeigen. Was ist passiert.
Kl: Was ist passiert, daß du so zumachst? - Er führt mich zu einem Schockerlebnis in den Anfängen unserer Beziehung.
Th: Zeig deinem Partner was aus deiner Nähe geworden ist.
Kl: Er entschuldigt sich bei dem Zwerg und schon ist der Zwerg etwas entspannter. Ich schimpfe mit meinem Partner und mein Zwerg fängt an zu hüpfen. Jetzt muß mein Partner alles wieder in Ordnung bringen. Das Teufelchen hilft ihm dabei.
Th: Schau mal, was du jetzt mit dem Zwerg und dem Teufelchen vereinbaren kannst, was die zwei Energien in dir von dir wollen. Wie soll dein Leben aussehen?
Kl: Der Zwerg sagt, ich soll öffter mal nein sagen. Das Teufelchen sagt, ich soll öffter mal mehr Quatsch machen.
Th: Schau genau hin, ob du die Verein-barung auch einhalten kannst. Ja, das bringt Bewegung in eure Beziehung und macht ehrlicher.
Kl: Das Teufelchen erzählt mir gerade, daß es eine Weile weg war, mich aber jetzt wieder begleiten und unterstützen wollte.
Th: Frag ihn mal, ob seine Abwesenheit etwas mit deinem Gebährmutterhals-krebs zu tun hat.
Kl: Er sagt, zum Teil. Es war einfach zu viel, was ich mir zugemutet habe, in allen Bereichen.
Th: Frag ihn, warum er sich zurückgezogen hat, damals.
Kl: Du hast keine Aufmerksamkeit mehr für mich gehabt und hast mich sogar benutzt, sagt er. Doch jetzt wollte er mich wieder begleiten. - Ja, ich möchte dieses spielerische auch wieder spüren in mir.
Th: Dann geh doch noch mal in den Raum zurück mit den weißen Fliesen.
Kl: Jetzt sind die Wände rechts und links auch weiß gefließt. Sieht ja sauber aus, nur etwas kalt.
Th: Trefft euch doch mal alle in diesem Raum. Wie verändert er sich?
Kl: Alle sind da. Jetzt wird es wärmer und lebendiger. Mein Partner wird eifersüchtig, weil der junge gutaussehende Mann auch noch da steht. Ich mache einen Test und kuschle mich an den jungen Mann. Ich kann seine Nähe zulassen und mich halten lassen. Das kleine Teufelchen hüpft um meinen Partner herum und kichert und freut sich.